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Kanuabenteuer im Spreewald: Routen abseits der Gurkenpfade

Der Spreewald ist weit mehr als nur das berühmte Gurkenparadies. Wer sich auf den rund 300 Kilometern befahrbaren Fließen verliert, entdeckt eine stille, verzauberte Welt aus urigen Wäldern, schilfgesäumten Ufern und kleinen Holzbrücken. Doch gerade in der Hauptsaison drängen sich die Paddler auf den bekannten Wasserstraßen rund um Lübbenau und Burg. Wer die ursprüngliche Atmosphäre der Region sucht, sollte deshalb die weniger frequentierten Routen im Osten des Unterspreewalds ansteuern, wo die Natur noch unberührt wirkt und das Wasser oft spiegelglatt zwischen Erlen und Eschen dahinfließt.

Eine besonders reizvolle Tour beginnt am Kleinen Hain in Schlepzig. Von dort führt der Weg entlang der Hauptspree, biegt aber bald in den schmalen Gaglower Fließ ab. Hier gilt es, aufmerksam zu sein, denn die Strömung ist trügerisch und manche Durchfahrt erfordert ein geschicktes Manövrieren zwischen umgestürzten Bäumen. Wer sich für diese Route entscheidet, wird mit einer unvergleichlichen Ruhe belohnt, die nur vom gelegentlichen Ruf eines Eisvogels oder dem Plätschern der Paddel unterbrochen wird. Nach etwa zwei Stunden erreicht man den Neuendorfer See, wo sich eine Rast am Ufer lohnt, bevor man über den Pretschener Fließ zurück nach Schlepzig paddelt – insgesamt eine ideale Halbtagestour für Einsteiger und Genießer.

Etwas anspruchsvoller und wilder ist die Strecke durch das innere Oberspreewald-Dreieck zwischen Raddusch, Lehde und Burg. Hier wechseln sich breite Kanäle mit engen, verwunschenen Wasserläufen ab, die im Sommer von einem dichten Blätterdach beschattet werden. Ein absolutes Highlight ist der Abschnitt durch das Naturschutzgebiet „Innerer Oberspreewald“, wo Seerosenfelder und seltene Wasserpflanzen die Fließe säumen. Statt des üblichen Trubels erlebt man hier hautnah, warum die Region als das „Amazonas Europas“ bezeichnet wird. Doch Achtung: In diesem Bereich gibt es keine gastronomischen Betriebe, also ausreichend Verpflegung mitnehmen. Eine Karte oder ein GPS-Gerät ist empfehlenswert, denn die Beschilderung ist teilweise spärlich. Wer sich vorab über die aktuellen Wasserstände und Sperrungen informieren möchte, findet auf der Seite mit Informationen zu den Spreewaldfließen mit dem Kanu wertvolle Hinweise zur Tourenplanung und zu den jeweiligen Bedingungen.

Wer die Einsamkeit liebt, sollte sich zudem für die kleine Runde durch das Neuendorfer Luch entscheiden. Diese kaum bekannte Route startet am Dorfplatz von Neuendorf und schlängelt sich durch ein Moorgebiet, das vor allem im Frühherbst mit seiner goldenen Färbung beeindruckt. Hier begegnen einem oft Graureiher und gelegentlich sogar Biber, die neugierig am Ufer beobachten. Wichtig ist, den Fließ nicht zu verlassen, da viele Seitenarme in unwegsames Sumpfland führen. Nach etwa drei Stunden erreicht man wieder den Ausgangspunkt, müde, aber glücklich über ein Erlebnis, das weit entfernt ist vom Alltagsstress. Egal ob Neuling oder erfahrener Paddler: Die stillen Wasserwege des Spreewalds belohnen jeden mit unvergesslichen Momenten – man muss nur den Mut haben, den bekannten Pfaden den Rücken zu kehren.